Nach einem kurzen Rückblick auf die deutsche Boccaccio-Rezeption bis Ende des 18. Jahrhunderts steht im Zentrum des Aufsatzes Friedrich und August Wilhelm Schlegels Beschäftigung mit Boccaccios Werk und deren Novellenpoetik; gezeigt wird nicht nur, wie sie die deutsche Boccaccio-Renaissance einführten und zu einer Kanonisierung des Dichters als Romantiker auf deutschem Boden führten, sondern auch wie sie ihn zum Hauptvorbild einer Gattung erhoben, die sich im Laufe des 19. Jahrhundert auf deutschem Boden durchsetzen wird: die Novelle. Sie nahmen durch ihre Novellenpoetik nicht nur Goethes berühmte Bestimmung der Novelle als einer „sich ereigneten unerhörten Begebenheit“ vorweg und sondern trugen grundlegend zur Novellenblüte des 19. Jahrhunderts bei.